Freiburg (af) - Kommunale Versorger sehen sich in ihrer bisherigen Kritik an AKW-Laufzeitverlängerungen bestätigt
„Stadtwerke und regionale Versorgungsunternehmen sind als Motoren einer nachhaltigen, sicheren und umweltfreundlichen Energiewirtschaft unverzichtbar und verdienen größere Anerken nung“ – so skizziert Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon die Rolle der Energieversorger innerhalb des so genannten Thüga-Verbunds, zu denen auch das Freiburger Unternehmen bade nova gehört.
Am Montag (14.03.) hatte die Thüga-Holding, die seit Ende 2009 Jahr vollständig im Besitz von Versorgungsunternehmen mit kommunaler Mehrheit ist, in Berlin Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen, darunter die energiepolitischen Sprecherzu einem Meinungsaustausch über die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland und zur Rolle der kommunalen Unternehmen gegenüber den vier großen Energieversorgern (E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall) eingeladen. OB Salomon nahm an dem Gespräch in der Landesvertretung von Schleswig-Holstein als Aufsichtsratsvorsitzender von badenova und als Mitglied des Thüga-Beirats teil. Referenten waren unter anderem die Frankfurter Oberbürgermeisterin und Städtetags-Präsidentin Petra Roth als Aufsichtsratsvorsitzende der Thüga-Holding, Thüga-Vorstandsvorsitzender Ewald Woste und die Beirats-Vorsitzende und Lörracher Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm.
„Wir sind erschüttert über die Katastrophe in Japan; deshalb gilt an erster Stelle das Mitgefühl den Opfern. Die Ereignisse ma chen jedoch in leider sehr tragischer Weise deutlich, dass Atom energie keine Lösung mehr sein kann. Die Laufzeitverlängerung für die deutschen AKWs ist ein falscher Schritt und behindert die Entwicklung einer Energiewirtschaft auf der Basis erneuerbarer Energien, wie sie gerade von den kommunalen Unternehmen voran getrieben wird!“ sagt Salomon als Resümee des politi schen Gesprächs mit den Abgeordneten. Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass bereits 2010 bei der Entscheidung des Bundestags, den Betrieb der deutschen Atomkraftwerke über die bisherigen Festlegungen hinaus zu verlängern, die kommunalen Versorger in der Thüga-Gruppe vor den negativen Auswirkungen gewarnt haben: Die Gewinne der großen Kraftwerksbetreiber aus den zum Teil längst abgeschriebenen AKWs führen zu einer Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der kommunalen und regiona len Unternehmen. Damit, so Salomon, werde Energieerzeugung aus regenerativen Quellen zunehmend erschwert und im Wett bewerb benachteiligt.
In dieser Einschätzung sehen sich die Vorstände und Aufsichts räte der Versorgungsunternehmen unter dem Dach der Thüga- Holding durch die Ereignisse in Japan leider bestätigt. Eine Ab hängigkeit von Atomkraftwerken als vermeintlich billige und si chere Energie sei fatal und gefährlich. Die kommunalen Unter nehmen appellieren deshalb dringend an die Bundesregierung, von der Laufzeitverlängerung Abstand zu nehmen und sich mög- lichst schnell aus der Abhängigkeit von Atomstrom zu lösen. Stadtwerke und vergleichbare regionale Versorger und Energie dienstleister wie badenova verfügen hingegen über langjährige Erfahrung in einer Energieversorgung, die ohne Atomkraft aus kommt und auf die Energieerzeugung mit erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind- und Wasserkraft, Biomasse oder Erdwärme setzt. Salomon: „Viele Unternehmen im Thüga-Netzwerk haben den Ausstieg aus der Atomkraft längst geschafft und den Beweis erbracht, dass eine andere Energiepolitik machbar und bezahlbar ist.“
Im Ausbau der regenerativer Energien sehen die Thüga- Unternehmen einen besonderen Schwerpunkt, nachdem die Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München im vergangenen Jahr durch ein Konsortium kommunaler Versorgungsunternehmen übernommen worden war. Bis dahin war die Thüga, die Minderheitsbeteiligungen an mehr als einhundert Stadtwerken und regionalen Versorgern (darunter auch badenova) hält, eine 100prozentige Tochter der E.ON gewesen. Die Freiburger badenova war 2009 Initiatorin des Konsortiums von rund 40 kommunalen Unternehmen, die im Bieterverfahren zusammen mit Mainova (Frankfurt), N-ergie (Nürnberg) und den Stadtwerken Hannover die Thüga erworben hat. Als Holding von Energieunter nehmen mit jeweils kommunalen Mehrheiten rangiert die Thüga-Gruppe heute bundesweit an fünfter Stelle.
Dienstag, den 15. März 2011 um 21:32 Uhr
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