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Erzbischöflicher Neujahrsempfang 2010 in Freiburg

Erzbischöflicher Neujahrsempfang 2010 in Freiburg
Freiburg (rs) - Dr. Robert Zollitsch, Freiburger Erzbischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, appellierte auf dem Neujahrsempfang im Collegium Borromeum in Freiburg mit seiner Rede an die Verantwortung aller für das Gemeinwesen.
Freiburg (rs) - Dr. Robert Zollitsch, Freiburger Erzbischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, appellierte auf dem Neujahrsempfang im Collegium Borromeum in Freiburg mit seiner Rede an die Verantwortung aller für das Gemeinwesen.
Als Gastredner sprach Prof. Dr. Wolfgang Jäger zu Beginn des Erzbischöflichen Empfangs zum Thema "Demokratie braucht Tugenden und Gemeinwohlorientierung".
Der Gesamt-Wortlaut des Vortrags von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch ist unter www.erzbistum-freiburg.de / hier nachzulesen. Quelle der Bilder: Erzdiözese Freiburg

 

 

"Abbau des Schuldenberges muss unverzüglich starten"
Die Demokratie braucht nach den Worten des Freiburger Erzbischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Robert Zollitsch "überzeugte und überzeugende Christen", die in der Politik mitwirken und mitgestalten, "diesen Staat mittragen und konstruktiv prägen" und: "Als Christen legen wir Zeugnis ab und ich bin überzeugt: Wir müssen noch mehr Zeugnis wagen!"
Jeder ist als Verbraucher nach Überzeugung von Erzbischofs Zollitsch gefragt, Entscheidungen zu treffen: "Für oder gegen Gentechnik; für oder gegen weitgereiste Erdbeeren in der Weihnachtszeit. Wir alle können durch unser Verhalten Einfluss nehmen; wir können durch die Art und Weise, wie wir leben und miteinander umgehen, Zeugnis geben, vielleicht mehr als uns dies im Alltag oft bewusst ist." Jeder trage Verantwortung für die Zukunft der ganzen Menschheit. "Gerade jetzt sind alle politischen Kräfte gefordert, Partei-Interessen und Macht-Pokerspiele zurück zu stellen und für die enormen Probleme und Herausforderungen unseres Landes gemeinsam Lösungen zu suchen."
Ganz oben auf der Prioritätenliste steht nach Ansicht von Zollitsch der Abbau der hohen Staatsverschuldung: "Sie hat sich durch die teuren Rettungsschirme zur akuten Krisenbewältigung noch weiter erhöht." Bis 2013 werde die Verschuldung der Bundesrepublik auf insgesamt zwei Billionen Euro wachsen. Dies führe zu ungleichen und ungerechten Belastungen, vor allem für die nachkommenden Generationen. "Es ist verantwortungslos, zulasten derjenigen zu leben, die sich nicht dagegen wehren können. Deshalb ist ein Gegensteuern dringend notwendig und geboten: Der Abbau des Schuldenberges ist ein langfristiger Kraftakt, mit dem unverzüglich begonnen werden muss".

Politischer Weitblick ist nach seiner Überzeugung nicht nur bei der Generationengerechtigkeit, sondern auch bei der internationalen Solidarität gefordert. "Unsere Verantwortung endet weder an den Grenzen unseres Landes noch an den Grenzen Europas. Unser globales Engagement im Kampf gegen Hunger, Armut, Krieg und nicht zuletzt gegen die Auswirkungen des Klimawandels darf nicht nachlassen". Eine kluge Politik ziele nicht auf den kurzfristigen Effekt, sondern auf den langfristigen Erfolg und die nachhaltige Wirksamkeit.
Das Erzbistum ermutigt alle Ehrenamtlichen, denn der ehrenamtliche Dienst sei für die Kirche "nicht einfach ein Dienst, der bei Personalmangel so lange als Lückenbüßer herhalten muss, bis sich die Zeiten wieder ändern. Der Reichtum der Kirche sind alle, die sich im Dienst Jesu Christi einbringen - ob Alt oder Jung, ob Frau oder Mann, ob verheiratet oder alleinstehend. Niemand ist überflüssig", betonte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der den Gästen des Neujahrsempfanges ein gutes und friedvolles Jahr 2010 unter dem Segen Gottes wünschte: "Wagen wir mit Gott im Rücken, mutig die Zukunft zu gestalten."


Erzbischöflicher Neujahrsempfang 2010 in Freiburg Erzbischöflicher Neujahrsempfang 2010 in Freiburg

"Demokratie braucht Tugenden und Gemeinwohlorientierung"
Prof. Wolfgang Jäger, Politologe und von 1995 bis 2008 Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, stellte beim Neujahrsempfang des Freiburger Erzbischofs Dr. Robert Zollitsch zum Thema: "Demokratie braucht Tugenden" unter Hinweis auf zahlreiche Buchtitel - "Die Republik der Wichtigtuer" - "Die verblödete Republik" - "Die Republik der Dilettanten" - fest, dass Beschimpfungen unseres Gemeinwesens derzeit Hochkonjunktur habe. Die politische, aber auch die wirtschaftliche und journalistische Elite, werde aufs Korn genommen. Die Kritik ziele nicht auf die Verfassungsordnung der Bundesrepublik, sondern auf die Amtsträger: "Ihre wenig professionelle Qualität, ihre defizitäre moralische Einstellung und ihre Profillosigkeit werden bemängelt." Letztlich münde alle Kritik in dem Vorwurf fehlender Gemeinwohlorientierung.
Auch Papst Benedikt XVI. habe dieses Thema in seiner Enzyklika "Caritas in veritate" angesprochen: Sich für das Gemeinwohl einzusetzen sei der politische Weg der Nächstenliebe, der nicht weniger tauglich und wirksam sei als die Liebe, die dem Nächsten unmittelbar entgegenkomme. Jäger erinnerte an das 2006 veröffentlichte gemeinsame Wort der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel: "Demokratie braucht Tugenden". Die "politische Tugendlehre aus christlicher Perspektive" fordere von allen, dem Gemeinwohl zu dienen sowie Gerechtigkeit und Solidarität zu üben. "Demokratie braucht Tugenden" sei "eine ganz hervorragende Darstellung der normativen Grundlagen unserer Demokratie, insbesondere der für ihre Stabilität notwendigen Kongruenz von politischer Struktur und politischer Kultur." Das Grundgesetz sei längst über die bloß instrumentelle Funktion einer Verfassung herausgewachsen; es habe symbolischen Rang als zentrale Kraft der Integration unserer Gesellschaft erlangt. "Die Kirchen hatten und haben daran ihren Anteil", sagte der Politikwissenschaftler in seiner Ansprache.

 

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