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Weinfund unter seit 1945 zugemauerter Kellertreppe

 

Endingen (rs) - Das alteingesessene, renommierte Weingut Bastian in Endingen am Kaiserstuhl, 1868 von Leopold Bastian vor dem westlichen Tor des Kaiserstuhlstädtchens erbaut, wird heute in fünfter Generation von Dipl. Ing. Andreas Neymeyer (im Bild) mit Unterstützung von sechs festen Mitarbeitern und weiteren vierzehn Aushilfskräften geführt. Der Brand im Januar 2010 richtete im Weingut erhebliche Schäden an den Betriebsgebäuden und den -anlagen an.

Die großen, 1884 angelegten und denkmalgeschützten Gewölbekeller mit uralten, bis circa Mitte 1970 benutzten Holzfässern, überstanden den Brand. Die Weinlese des Jahres 2010 konnte so gekeltert und in den ebenfalls vom Brand verschonten heute üblichen Edelstahltanks eingelagert und ausgebaut werden.

 

Im Zuge des anstehenden Wiederauf- und Neubaus und den damit einhergehenden Abbrucharbeiten wurde in einem Kelleranbau von 1911 eine unbenutzte Treppe frei geräumt. Onkel Franz-Josef Neymeyer (im Bild ganz unten links) erinnerte sich dabei vage, dass 1945, bevor französische Soldaten in die Stadt Endingen einrückten, dort Wein- und Branntweinflaschen eingemauert, versteckt wurden. Auch große, leere Holzfässer dienten als Versteck. Auf eingelegten Brettern wurden in ihnen Flaschen gestapelt, das Fass klang dennoch hol und leer.


Am 11. Januar 2011 um 11 Uhr wurde das Versteck unter der genannten Treppe von Andreas Neymeyer mit einem Bohrhammer im Beisein von Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz und unter den neugierigen Blicken zahlreiche Endinger vorsichtig geöffnet und die ersten Flaschen aus ihrem 66 Jahre dauernden Versteck gehoben – insgesamt 800 Wein-, Branntwein- und Schnapsflaschen! Einige Flaschen sind aufgrund undichter Korken ausgelaufen, ca. 500 sind jedoch nach grober Sichtung mehr oder weniger unversehrt. Aber, alle Weinflaschen sind ohne Etikett, kein Hinweis auf deren Inhalt, Jahrgang und Herkunft.


Die anschließende Verkostung zweier Weine, so wie zweier ebenfalls im Versteck reichlich gelagerten Schnäpse, belegte eine erhoffte, wohl kaum erwartete, hohe Qualität. Die erste, zunächst mit Spannung und danach unter befreiendem Applaus der Anwesenden mit einem leisen „Plopp“ geöffnete Flasche lässt auf einen, aus Spanien importierten, Messwein schließen. Im Glas leuchtet der Malaga bernsteinfarben und verfügt über ein rundes nussiges Aroma. Die zweite Flasche aus dem Weinschatz leuchtet gelblich hell, verfügt über deutlich mehr Säure, die, zusammen mit dem Alkohol, das Aufkommen einer Alterungsnote verhinderte. "Ein sehr guter Wein mit Pfirsichnote, der dem Gaumen schmeichelt", urteilt Andreas Neymeyer. Vermutet wird, dass dieser Wein eine hochgradige Auslese aus eigener Produktion ist. Auch den aufgefundenen Branntweinflaschen scheint die "66-jährige Ruhe" unter dem Treppenabsatz gut getan zu haben.

In den kommenden Wochen werden die Flaschen sortiert, nach Füllstand in Kategorien unterteilt, aufgefüllt und neu verkorkt; erst danach steht fest, wie viel Wein tatsächlich gerettet werden konnte. Vorgesehen ist, dass ein Teil der Originalflaschen im Frühjahr 2012 nach Fertigstellung und Eröffnung des Neubaus für einen guten Zweck versteigert wird.

 

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