Berlin/Freiburg – Karl-Heinz Müller erkrankte im November 2009 am Acute Respiratory Distress Syndrome, kurz ARDS. Der Schweinegrippen-Virus H1N1 hatte das akute Lungenversagen ausgelöst.
Da die Beatmungsgeräte auf der Intensivstation in seiner Heimatstadt seine Lunge nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgen konnten, kontaktierten die Ärzte das deutsche ARDS-Netzwerk. Sofort wurde der Patient mit dem Hubschrauber in die Universitätsklinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin Charité-Universitätsmedizin Berlin verlegt. Hier rettete ein qualifiziertes Team aus Pflegekräften, Kardiotechnikern und Intensivärzten sein Leben. Auf der Vorab-Pressekonferenz anlässlich des Hauptstadtkongresses der DGAI am 6. September 2011 erzählt Karl-Heinz Müller jetzt seine Geschichte.
„Bei Herrn Müller war das Lungenversagen so schwer, dass die herkömmliche maschinelle Beatmung nicht mehr ausreichte“, erläutert Professor Claudia Spies, Tagungspräsidentin des HAI 2011 und Direktorin der Klinik für Anästhesiologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff können Ärzte in solchen Fällen nur mit speziellen Lungenunterstützungssystemen, sogenannter extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO), erreichen. Die Behandlung mit dem hochtechnisierten Systemen ist allerdings speziellen Zentren des ARDS-Netzwerkes mit einem eigens dafür qualifizierten Team vorbehalten.
Damit Patienten wie Karl-Heinz Müller schnellstmöglich an geeignete Kliniken überwiesen werden können, hat das deutsche ARDS-Netzwerk Vorkehrungen getroffen: Ein Internet-basiertes Melderegister hält freie Therapieplätze an bundesweit etwa 40 Krankenhäusern fest. „Vor allem wenn Intensivstationen durch stark steigenden H1N1-Infektionszahlen wie im Winter 2009 an ihr Limit geraten, kann das ARDS-Netzwerk so regionale Engpässe vorhersehen und koordinieren“, sagt die Tagungspräsidentin des HAI 2011. Karl-Heinz Müller konnte dank des Netzwerks und durch den raschen Flug in die spezialisierte Klinik die sonst tödliche Erkrankung überleben. Experten schätzen, dass 50 Prozent der Patienten, die mit solchen extrakorporalen Lungenunterstützungssystemen in einem trainierten Team behandelt werden, überleben.
Welche weiteren Strategien die DGAI anwendet, um Qualität und Patientensicherheit an deutschen Krankenhäusern zu verbessern, berichten Experten auf der Vorab-Pressekonferenz am 6. September, auf der auch Karl-Heinz Müller sprechen wird, sowie auf der Kongress-Pressekonferenz am 13. September 2011.
Eine Liste über die aktuell in den Kliniken des ARDS-Netzwerks Deutschland freien Kapazitäten für extrakorporale Lungenersatzverfahren steht unter http://www.ardsnetwork.de/ zur Verfügung.
Dienstag, den 30. August 2011 um 08:09 Uhr
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